FREITAG: Einblick in die mentale Kakophonie

Nach einem langen Tag, an dem ich meinen Entsafter gefüttert habe mit der Ernte des städtischen Weingartens, finde ich mich mit einem vollen Kopf wieder.

Im Tarot gibt es dafür die Karte „Sieben Kelche“. In einem meiner Decks steht ein Mensch vor einer Wolke, auf der sieben Kelche schweben, jeder von ihnen mit einem anderen Inhalt. Passt aktuell wie die Klappe aufs Auge.

Punkt eins: die C-Situation. Merken Sie es auch, dass es wieder losgeht mit der Medienpanik? Dass wir aufgewühlt werden mit Schlagzeilen wie „Schon über 8.000 Infizierte in Österreich“? Wir reden von 0,1 Prozent der Bevölkerung! Und wieder spricht keiner davon, was jede/r von uns selbst machen kann, um sich gesund zu erhalten – abgesehen von den offiziell verordneten Maßnahmen: vernünftig essen, Bewegung in der frischen Luft, Freude, ausreichend schlafen, vielleicht auch meditieren oder sonstwie Ruhe geben, vor allem dem Kopf. Hauptsache, wir fiebern alle auf eine Impfung hin, für die plötzlich alle Gesetzmäßigkeiten außer Kraft gesetzt werden, die uns bislang für neue Medikamente sinnvoll erschienen. Mich einer Situation ausgeliefert zu sehen, die ich zwar für meine kleine Stadtinsel beeinflussen kann, aber deren Wirklichkeit an der Grundstücksgrenze endet, fördert meinen Grundgrant. Und ich bin ungerne grantig.

Punkt zwei: Die damit zusammenhängende Einschränkung meiner Freiheit. Wenn am 1. Oktober die südafrikanischen Grenzen für den Tourismus geöffnet werden, ist das nur Grund für einen freudigen Augenaufschlag. Ein breites Lächeln versage ich mir. Denn alles weitere hängt von Faktoren ab, die eben jene bestimmen, die sich außerhalb meiner Auffassung von Vernunft befinden. Natürlich verstehe ich, dass man lieber einmal zu vorsichtig ist als einmal zu wenig. Lieber vor einer Blindschleiche weglaufen, als sich mit einer Kreuzotter zu verbrüdern. Geschenkt. Gefühlt möchte ich gleich in den Flieger steigen, gedacht schreibe ich in mein Tagebuch, dass ich ja auch wieder zurückkommen muss. Und das ist ein weiterer Faktor, der außerhalb meiner Kontrolle ist.

Punkt Drei: die allgemein herrschende, unterschwellige Angst. Jetzt geht es bei vielen vielleicht gar nicht darum, dass sie sich den Virus einfangen könnten. Wie eine Freundin sagte: „Ein Virus bringt normalerweise seinen Wirt nicht um, weil er  damit seine Lebensgrundlage um die Ecke bringen würde.“ Es geht um die Angst, die entsteht, wenn es an Transparenz fehlt. Wenn für den Einzelnen die Zusammenhänge nicht mehr nachzuvollziehen sind. Die einen fangen in solchen Situationen mit Achtsamkeitsübungen und Meditieren an, die anderen flüchten sich in Verschwörungstheorien. Und gerade sie halten das Hirn am Laufen, ganz einfach, weil es verstehen möchte. Doch kann man die Gegenwart wirklich verstehen? Ich gebe zu: ich scheitere.

Punkt Vier: Kontaktschuld. Auch etwas, woran mein Gehirn scheitert. Nämlich daran, dass man einen Menschen diskreditiert, weil er sich in der falschen Gesellschaft befindet oder befunden hat. Ich weiß schon, dass das mit dem menschlichen Bedürfnis zu tun hat, dass Schubladen den Umgang mit der Umwelt leichter, ja manchmal sogar packbar machen. Und in Zeiten wie diesen schießt dieser Willen wirklich übermäßig ins Kraut. Deshalb: Halloooooooooo! Angenommen, ich verkehre mich Menschen, die Grünzeug nicht nur essen, sondern auch rauchen – macht mich das zu einem Kiffer? Angenommen, ich bin an einem Ort, wo sich Obdachlose treffen – macht mich das zu einem Sandler? Angenommen, ich pflege Beziehungen zu Menschen mit rechter Gesinnung – macht mich das zu einem Nazi? Was da fundamental falsch läuft, ist meiner Meinung nach folgendes: Irgendwie ist es bei vielen Menschen offenbar unter den Tisch gefallen, dass schlechtes Verhalten nicht zwangsläufig gleichzusetzen ist damit, dass dieser Mensch ein verabscheuungswürdiger Mensch ist. Im Bestreben, die Schubladen zu füllen, ist aktuell die Geschwindigkeit atemberaubend. DA reicht es schon, einen Satz zu isolieren und das dann als Diskreditierung heranzuziehen. Am Wochenende lese ich die Bezeichnung dafür: der Wille zum Missverständnis.

Punkt Fünf: Wenn der Mund-Nasen-Schutz äußerer Ausdruck der Distanzierung innerhalb der Gesellschaft ist, frage ich mich, was uns wieder auf ein gesundes Maß zurück bringen könnte. In einen Zustand, der den regen Austausch zwischen Individuen fördert, ohne gleich in einen Shitstorm auszuarten. Auf eine Ebene, wo wir Menschen in ihrer Ganzheit wahrnehmen können und nicht nur die Körner rauspicken, die unser Ego füttert, das sich vor Angst aufplustern muss, um zu überleben.

Punkt Sechs: Ich kämpfe selbst mit diesem Ego, tagtäglich. Und am Wochenende höre ich, dass schon das Erkennen dieses Kampfes reicht, um dem Kobold die Kraft zu nehmen. Vielleicht nicht gleich auf einen Schlag, doch jeden Tag ein wenig mehr. Wenn das Bewusstsein wächst, kommt auch die Klarheit.

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