FREITAG: Sonnenstürme im Gehirn

Meine Chakren füllen sich langsam wieder, und das brauche ich auch. Denn der Drehwurm im Hirn verbrennt ziemlich viel Energie.

Meine Sonntage gehören ja bekanntlich mir, meinen während der Woche vernachlässigten Agenden und einer Vielzahl von Gedanken. Letztes Wochenende hatte ich eine ziemlich lange Liste, über deren Inhalt ich nachdenken wollte – passiert ist davon wenig bis gar nichts. Warum? Es kam – wie so häufig – etwas dazwischen in diesen Tagen. Zugegebenermaßen war ich nicht ganz unschuldig daran, und auch der Zeitpunkt hätte vielleicht ein anderer sein können. Andererseits: „Was Du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.“ Gilt offenbar auch fürs Denken.

Der Plan wäre gewesen, innere Klarheit über die Gestaltungen meines persönlichen Jahresabschlusses zu erringen. Und ja, es ist in Zeiten wie diesen ein Kampf, vor allem einer mit ständig wechselnden Bestimmungen. Und würde das nicht reichen, gibt es in meinem Leben ja bilaterale Verordnungen zu koordinieren. Das ist schlimm, wäre aber nicht so schlimm, wenn in dieser Woche nicht zwei Geburtstage und in weiterer Folge Weihnachten unter einem Hut zu vereinen wären. Einen Dreispitz trägt man ja in allen Regionen, aus denen die Beteiligten kommen, und es sind tatsächlich auch drei Regionen, die es zu versammeln gilt. Vor allem zu Weihnachten. Doch da ist noch ein wenig Luft.

Für die Geburtstage wird’s eng, denn der Präsi des Landes, in dem meine Kinder und deren Vater wohnen, hat just für diese Woche einen C-Rülpser getan, der einiges an Plänen wieder einmal auf den Prüfstand stellt. Sie sehen mich mit den Augen rollen, ne? Und diesen Rülpser, vermutlich nach einem Schweinsbraten mit einem extragroßen Knödel, hat dieser Mann ausgerechnet am Sonntag entlassen. An MEINEM Sonntag. Ich saß also vor meinem Tablet und starrte ihn an, während er seine Pläne ausrollte. Gleichzeitig lief mein Gehirn langsam höher, während mein Stift über das Papier flog, um ja alles, was relevant für die familiären Feierlichkeiten ist, zu notieren – vor allem für den Vater meiner Kinder. Er hält sich ja Großteils von Medien fern und kriegt deshalb nur einen Bruchteil des aktuellen Geschehens mit. Auch keine schlechte Strategie, allerdings nicht vor Weihnachten. Aber wurscht.

Während ich noch hörte, kamen schon die Nachrichten der Kinder rein, teils unflätig in Wort und Schrift und empört. Ich stimmte natürlich zu, doch das brachte uns auch nicht weiter. Meine Lösungskompetenz wurde zwar im Laufe der vergangenen Monate auf ein Normalmaß eingedampft, doch in diesem Fall stand und steht sie wie ein Einser. Also drehte sich der Wurm in meine Gehirnganglien und suchte nach Wegen und Möglichkeiten, doch alles so hinzukriegen, wie es zumindest die C-adaptierten Pläne vorsahen. Drei Stunden hat es mich gekostet, um klar zu sehen: mehr als abwarten und betrinken (in Zeiten wie diesen eher Tee als Alkohol, weil sonst gar nix mehr geht im Oberstübchen) ist nicht drin.

Nach dieser Feststellung ärgerte ich mich kurz über mich selbst, dass ich mich wieder in diesen Medientumult hineinziehen und mir Lebenszeit stehlen hatte lassen. Dann hörte ich etwas anderes: Meditationen, Musik, Radiobeiträge. Ich weiß, das war die pure Ablenkung, aber manchmal geht es einfach nicht anders. Insofern weiß ich jetzt, was Pickup-Artists und Maskulinisten sind, wie die Plattenfirma Motown gegründet wurde, dass Kinder heutzutage kaum mehr wissen, wie Nahrungsmittel im Rohzustand schmecken und wer der „Erfinder“ der Gruppendynamik war. Wer Smalltalk ablehnt, muss seinen Wissensstand eben immer updaten. Und ja, einen Spaziergang habe ich auch noch gemacht, doch das war alles vor der Pressekonferenz und wie es sich später herausstellte, eine richtig gute Entscheidung.

Zum eigentlichen Denkziel dieses Sonntags hat mich das alles nicht gebracht. Die inneren Nebel lüften sich zwar ein wenig, doch – was soll ich sagen – die Bestimmungen! Sie sind nach wie vor wenig ideal, aber die Pro-Argumente neigen sich langsam gen Süden. Am Ende dieses Prozesses werde ich vor allem eines brauchen: Mut. Und als hätte ich es gewusst, leuchtet vor allem das dafür zuständige Nabelchakra im ziemlich grünen Bereich, an dem ich monatelang gearbeitet hatte. Seine eigentliche Farbe ist ja sonnengelb – genau dort will ich hin, vor allem als Daseinszustand. Am nächsten Sonntag weiß ich mehr.

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